Additiv gefertigte Abgaskomponente für die Luftfahrt

Luftfahrt · Additive Fertigung

Additiv gefertigte Abgaskomponente für die Luftfahrt

Von der Ersatzteilversorgung zur EASA-zertifizierten Serienkomponente.

Mit dem additiv gefertigten Schiebestück für das Abgassystem eines Flugmotors ist es gelungen, eine sicherheitskritische Luftfahrtkomponente vollständig neu zu entwickeln, zu qualifizieren und für den Serieneinsatz zu zertifizieren.

BauteilSchiebestück
WerkstoffInconel
VerfahrenMetallischer 3D-Druck
Additiv gefertigtes Schiebestück aus Inconel

Ausgangssituation

Die Herausforderung

Geschweißte Bauteile im Abgassystem von Flugmotoren sind hohen thermischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Die manuelle Fertigung führt häufig zu Fertigungstoleranzen, unterschiedlichen Schweißqualitäten und begrenzter Wiederholgenauigkeit.

Gesucht wurde eine Lösung, die reproduzierbar gefertigt werden kann, höchste Qualitätsanforderungen erfüllt und eine deutlich längere Lebensdauer besitzt.

  • vollständig dokumentierbar und rückverfolgbar
  • für langfristige Ersatzteilversorgung geeignet
  • konform mit den Zulassungsanforderungen der EASA
Konventionell geschweißtes Originalbauteil
AusgangsbauteilGeschweißte Konstruktion mit sichtbaren Belastungsspuren
Neu entwickeltes additiv gefertigtes Bauteil
Neue LösungSchweißfreie, reproduzierbare Konstruktion aus Inconel

Digitale Grundlage

Reverse Engineering als Ausgangspunkt

Da keine fertigungsgerechten CAD-Daten verfügbar waren, wurde das Originalbauteil zunächst digital erfasst. Mittels industriellem CT-Scan und Reverse Engineering entstand ein präzises 3D-Modell.

Dieses Modell wurde vollständig überarbeitet und speziell für die additive Fertigung optimiert. Ziel war nicht, das ursprüngliche Bauteil lediglich zu kopieren, sondern dessen Eigenschaften gezielt zu verbessern.

Digitaler 3D-Scan des Schiebestücks
Digitalisierte Geometrie als Basis der Neukonstruktion

Werkstoff und Verfahren

Additive Fertigung aus Inconel

Gefertigt wird das Schiebestück aus dem Hochtemperaturwerkstoff Inconel. Die Nickelbasislegierung eignet sich hervorragend für extreme Temperaturbereiche und hohe mechanische Belastungen, wie sie im Abgassystem von Flugmotoren auftreten.

Durch den metallischen 3D-Druck entsteht das Bauteil als nahezu homogene Struktur ohne Schweißnähte. Typische Schwachstellen konventioneller Fertigung werden vermieden und gleichzeitig wird eine deutlich höhere Prozesssicherheit erreicht.

Metallische additive Fertigung in einer industriellen Anlage
Herstellung der Komponente im metallischen 3D-Druck

Von den Daten zur Zulassung

Entwicklung bis zur Zertifizierung

Eine vollständig digitale und dokumentierte Prozesskette stellt Reproduzierbarkeit, Qualität und Rückverfolgbarkeit sicher.

Digitalisierung

CT-Scan, Reverse Engineering und Erfassung der Ausgangsgeometrie.

Konstruktion

CAD-Neukonstruktion und Designoptimierung für die additive Fertigung.

Fertigung

3D-Druck, Nachbearbeitung und reproduzierbare Prozessführung.

Qualifizierung

Qualitätsprüfung, vollständige Dokumentation und EASA-Zertifizierung.

Nachweisbarer Mehrwert

Deutliche Verbesserungen

≈10×

Höhere Lebensdauer

Etwa zehnfach höhere Lebensdauer als das ursprüngliche Bauteil.

100 %

Rückverfolgbarkeit

Vollständige Dokumentation über den gesamten Lebenszyklus.

0

Schweißnähte

Homogene Bauteilstruktur mit hoher Maß- und Wiederholgenauigkeit.

Herstellungskosten

Wirtschaftlichere Fertigung als beim konventionellen Bauteil.

Validierung

Erfolgreiche Erprobung

Vor der Zulassung absolvierte das Schiebestück umfangreiche Boden- und Flugtests. Insgesamt wurden über 55 Stunden Testbetrieb erfolgreich durchgeführt.

Die Ergebnisse bestätigten sowohl die mechanische Belastbarkeit als auch die thermische Beständigkeit des neuen Designs.

Mehrere gefertigte Schiebestücke für Erprobung und Serie
Seriennah gefertigte Komponenten nach erfolgreicher Qualifizierung

Technische Übersicht

Projektfakten und besondere Merkmale

Bauteil
Schiebestück für ein Flugzeug-Abgassystem
Werkstoff
Inconel
Fertigungsverfahren
Metallischer 3D-Druck
Entwicklung
Reverse Engineering, CAD und Designoptimierung
Besondere Merkmale
Hohe Wiederholgenauigkeit
EASA-konformer Entwicklungs- und Fertigungsprozess
Wirtschaftlichere Fertigung
Schweißfreie Konstruktion
Vollständige Rückverfolgbarkeit
Etwa zehnfache Lebensdauer

Ausblick

Zukunft der additiven Fertigung

Das Schiebestück steht beispielhaft für den Wandel von der klassischen Ersatzteilproduktion hin zu einer vollständig digitalen Fertigung. Reverse Engineering und industrielle additive Fertigung ermöglichen eine schnelle, präzise und reproduzierbare Herstellung sicherheitskritischer Komponenten.

Die digitale Prozesskette schafft zugleich die Grundlage für digitale Ersatzteillager, dezentrale Produktion und zertifizierte On-Demand-Fertigung.

Präsentation des Projekts zur additiven Fertigung
Additiv gefertigte Abgaskomponente für die Luftfahrt
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